Inspiration, Solidarität, freier Austausch von Wissen, Vernetzung und die digitale Revolution

Auch der 8. Stammtisch der Anarchisten aus Wuppertal und Umgebung war wieder einmal einzigartig, inspirierend und so unfassbar vielfältig, dass man, wie immer, eigentlich dabei gewesen sein muss, um ihn zu verstehen.

Doch aufgrund flachere Hierarchien und der permanenten Online-Präsenz des ASW (Anarchistischer Stammtisch Wuppertal) war es während des gesamten Stammtischs auch für Menschen von überall auf der Welt möglich Wuppertaler Politik und den Anarchismus allgemein zu diskutieren.

Aktuell werden wir unter anderem von Wuppertalern unterstützt, die einen Teil ihrer Zeit auf Korfu verbringen und sich über unsere neuen Strukturen im Netz nun dauerhaft an Wuppertaler Politik beteiligen können, auch wenn sie nicht zu jedem Stammtisch kommen können.

 

Um den Rahmen des Textes nicht zu sprengen, möchten wir an dieser Stelle auf unser Protokoll-Doc hinweisen. Doch einige Highlights werden wir wie immer für euch zusammenfassen.

Lehnt euch zurück und genießt einen schönen, informativen Abend mit Freunden:

 

Schon vor 19 Uhr waren Anarchisten aus Wuppertal im Langen Handok anwesend, schlicht weil es eine unserer Stammkneipen ist und das aus gutem Grund.

Nach entspannten Gesprächen, teilweise auch mit anderen Gästen und natürlich dem grandiosen Wirt zogen wir Anarchisten uns um ca. halb acht in den hinteren Teil der Kneipe zurück, um etwas mehr Ruhe zu haben. Am Laptop wurde live protokolliert. Andere Teilnehmer griffen über ihre Smartphones auf die Docs zu. Es gab wie immer Gespräche, die zwischen einzelnen Personen stattfanden, das meiste allerdings wurde in großer Runde diskutiert. Wir haben leckeres Essen von Nora genossen und natürlich die eine oder andere Zigarette in der Kälte geschmaucht. Und obwohl wir als kleine Gruppe von Menschen mit sehr verschiedenem Hintergrund so lose und scheinbar unstrukturiert zusammen arbeiten, kommen wir besser und schneller voran, als wir alle gedacht haben.

Denn es wurden nicht nur die Wuppertaler Politik aus anarchistischer Perspektive diskutiert, sondern auch die Entwicklungen in ganz Deutschland und Europa, die sich selbst destabilisierende EU und welche Möglichkeiten uns diese Situation eröffnet. Wir entwickelten einen groben Fahrplan für die kommenden Wintermonate, um dann bei wärmeren Temperaturen im nächsten Sommer als handlungsfähige Bewegung in Wuppertal auch öffentlich zu wirken.

Dabei gab es sowohl Ideen für den organisatorischen Aufbau, online wie offline, als auch witzige Ideen für massenhaften zivilen Ungehorsam. Hierbei wurde uns deutlich, dass es wichtig ist, dass Gesetz genau zu kennen, denn wir alle wollen die bisherigen Grenzen zumindest verteidigen, um einer weiteren Beschneidung unserer Freiheit aktiv entgegen zu wirken. Wir diskutierten den grundsätzlichen Umgang mit dem Staat und seinen Repressionsorganen und entschieden uns für einen selbstbewussten, witzigen, durchaus frechen, aber kooperativen Kurs, der auch versuchen soll den Polizisten die Aberwitzigkeit des Kapitalismus aufzuzeigen.

Den Anstoß dazu lieferte die Critical Mass, die als Fahrrad-Verbund ihre politischen Demos nicht anmelden muss und somit ein rechtliches Schlupfloch nutzt. Wir erfuhren, dass der ASW bei einzelnen Critical Mass Teilnehmern bereits bekannt ist und darüber freuen wir uns natürlich unglaublich und senden hiermit solidarische Grüße an eine der handlungsfähigsten, selbstorganisierten, dezentralen Bewegungen in Deutschland. Holen wir uns unsere Straßen zurück!

 

Es wurde darauf verwiesen, dass unabhängige Nachrichten auch für Wuppertal immens wichtig sind. So zeigte sich bei einer Diskussion über Kneipen, Imbiss-Buden und Lieferdienste, dass Pizza Tomato auf der Marienstraße  schon seit einigen Wochen zu ist, aber seine App nicht aus dem Netz genommen hat. Leute, die dort bestellen, dürften wohl etwas länger warten, bis das Essen kommt.

Auch bei so etwas wurde uns klar, wie wichtig Vernetzung und freier Informationsfluss sind. Wir brauchen Plattformen, auf denen coole Kneipen genauso aufgelistet sind wie politisch aktive Gruppen, soziale Einrichtungen und Gemüsehändler, die Kisten mit leicht lädiertem Obst kostenfrei vor der Türe ihres Ladens stehen haben.

 

Wir stellten fest, dass wir von Leuten nur erwarten können, dass sie sich engagieren, wenn sie auch einen Nutzen davon haben. Wenn wir wollen, dass Menschen sich vom Kapitalismus abwenden, müssen Strukturen vorhanden sein, die Alternativen liefern können.

 

So wurde auch dieses Mal wieder lange über ein “sogenanntes Exit-Programm” für Bullen und Soldaten diskutiert. Denn wohin wendet sich der Polizist, der als Familienvater auch Verantwortung für andere trägt, wenn er merkt, dass er im Auftrag von Banken und Konzerne diejenigen verprügelt, die den Kollaps des Planeten verhindern wollen? Wir stellten aber genauso fest, dass wir allein nicht in der Lage sind, solche Strukturen aufzubauen. Daher entschieden wir uns am Ende dafür über den Winter gemeinsam mit anderen Gruppen, Strukturen und Einzelpersonen stabile Fundamente und Netzwerke aufzubauen, die so offen wie möglich und so geschlossen wie nötig sind, damit sich nach und nach mehr und mehr Leute anschließen können. Hierbei wurde der persönliche Faktor erneut betont. Eine persönliche Vernetzung, um Vertrauen zwischen den einzelnen Anarchisten zu fördern scheint uns genau so wichtig, wie ein öffentlicher Auftritt, zum Beispiel in Form eines Videos, in dem wir erzählen wollen, wer wir sind und was wir machen. Wir möchten mit den Vorurteilen über Anarchismus grundlegend aufräumen und wollen mit den Leuten aus Wuppertal und Umgebung in persönlichen Kontakt treten. Dafür sind wir gerne bereit unser Gesicht in die Öffentlichkeit zu halten. Wir empfinden das, was wir tun weder als illegal, noch als illegitim und sehen daher auch keine Notwendigkeit uns verstecken zu müssen.

 

Außerdem wurde endlich der Wohnzimmer-Anarchismus wieder belebt. Am kommenden Montag treffen wir uns bei jemandem zu Hause und wollen über unser Manifest sprechen, über die Möglichkeiten des Internets, das Smartphone als Waffe im Protest und Widerstand und natürlich über Katalonien, da eine Wuppertaler Anarchistin schon zwei Tage später nach Barcelona fliegen wird, um von dort unabhängige Nachrichten in Solidarität mit den basisdemokratischen Strukturen der Unabhängigkeitsbewegung zu machen.

 

Hinter ihr steht nicht nur der Anarchistische Stammtisch Wuppertal, sondern auch das Solidaritätscomité Katalonien, welches als Online-Struktur im Netz Aufmerksamkeit für Katalonien erzeugen will und unabhängige, seriöse Berichterstattung über den Konflikt in Spanien organisieren will. Nicht zuletzt auch wegen dem großen Erfolg dieser noch relativ kleinen Struktur sind wir uns nun sicherer als jemals zuvor, dass wir die Möglichkeiten des Internets nicht hoch genug einschätzen können.

 

Wir sehen, hören, lesen uns!

 

Im Netz! Auf der Straße! In der Kneipe!

 

Anarchistischer Stammtisch Wuppertal

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