Beim fünften Anarchistischen Stammtisch in Wuppertal, der am 2.10. abends im Langen Handok auf dem Ölberg stattfand, diskutierten vier Menschen die Situation in Katalonien, die Situation der Linken und der Anarchisten in Wuppertal und Deutschland und setzten gemeinsame Pläne für zukünftiges Arbeiten fest.

Zunächst beratschlagten wir, wie es mit dem Anarchistischen Stammtisch Wuppertal weitergehen kann. Es hat sich in den vergangenen Wochen gezeigt, dass zwar das Thema Anarchismus zunehmend an Interesse gewinnt, dass es aber nach wie vor keine Selbstorganisation dieser Interessierten gibt. Viele, die zusagen zu kommen, wollen ihre Fragen zum Thema Anarchismus dann doch lieber privat an Anarchisten richten und diejenigen die kommen, wollen oder können sich nicht kontinuierlich in die Organisation einbringen. Doch gerade die Online-Arbeit erscheint uns nach wie vor sehr wichtig, um neue Menschen zu erreichen. Auch weil einer der Anwesenden nur aufgrund eines Tweets erschienen war.

Wir entschieden, dass zunächst einmal nur der Stammtisch weitergeführt werden soll, nicht aber der “Wohnzimmer-Anarchismus” und der Lesezirkel, da es für einzelne von uns ein immenser Arbeitsaufwand war und wir in Zukunft nicht mehr in der Lage sein werden, diese Arbeit kontinuierlich zu leisten.

Der Stammtisch hat den ersten Montag im Monat nun fest im Langen Handok als immer gleich bleibenden Termin und als Anlaufstelle für Interessierte.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal die gute Zusammenarbeit mit dieser Kneipe betonen und uns ausdrücklich für die tolle Unterstützung bedanken.

Den zweiten Termin im Monat wollen wir in der dritten Woche stattfinden lassen und zwar im Tages-Rotations-Prinzip, da viele Interessierte äußerten, dass der Montag für sie grundsätzlich schwierig sei.
Außerdem wollen wir daran festhalten, uns auch in anderen Kneipen und Lokalitäten der Wuppertaler Nordstadt sehen zu lassen. Und deshalb findet der nächste Anarchistische Stammtisch Wuppertal auch am Dienstag, den 17.10. ab 19 Uhr im Wirtschaftswunder in der Wiesenstraße 17 statt.


Wir würden uns sehr freuen, sowohl über Menschen, die sich langfristig in die Organisation eines solchen Stammtischs einbringen würden, als auch über diejenigen, die Fragen zum Thema Anarchismus und Anarchie haben. Wir wollen an unserem offenen Konzept und unseren offenen Strukturen festhalten und erhoffen uns dadurch mehr Menschen für die Idee der Selbstorganisation begeistern zu können. Das bedeutet, dass auch der “Wohnzimmer-Anarchismus” oder der Lesezirkel jederzeit wieder in Betrieb genommen werden können. Anarchismus heißt Selber Machen!

Obwohl es für alle Beteiligten teilweise schwer war, die Positionen des anderen in der Diskussion zu verstehen, blieb das Gespräch unbeirrt sachlich und alle Anwesenden versuchten konstruktiv Lösungen für die Probleme zu finden. Eine Art der Diskussionskultur, die wir unbedingt beibehalten wollen und die von einer Anwesenden auch als “typisch spanisch” bezeichnet wurde.

Denn natürlich war gerade Katalonien auch ein großes Thema, nachdem wir die organisatorischen Dinge besprochen hatten. Die massenhafte Selbstorganisation der katalanischen Bevölkerung hat Tradition und erneut wurde von den Teilnehmern des Stammtischs über die zweiteilige Dokumentation “Kein Gott, Kein Herr!” gesprochen und wie wichtig es sei die katalanische Geschichte zu kennen, um zu verstehen, was gerade in Katalonien passiert. Ebenfalls wurde 15M als anarchistisch organisierte Massenbewegung in Spanien als wichtige Basis für die “Generation der Unregierbaren” herausgearbeitet. Denn die Unabhängigkeitsfrage wurde in den vergangenen Jahren vor allem von der linksradikalen CUP-Partei vorangetrieben. Sie war es auch die die Politik und die Gesellschaft nach links drückte. Interessant hierbei ist der Ansatz der Katalanen, dass sie diesen Druck nicht mit Gewalt ausübten, sondern mit Organisation und Bildung. Die Gesellschaft wurde überzeugt, die Politik knickte ein.
Zudem waren die Anarchisten in Teilen von Spanien immer schon herausragend gut organisiert. Die Nähe zum Baskenland ist für Katalonien sehr entscheidend.

Zur Stunde gibt es Meldungen über die spanische Armee, die sich Richtung Katalonien bewegt. Der König von Spanien hat vorgestern in seiner Ansprache zwischen den Zeilen von einem Ausnahmezustand für Katalonien gesprochen. Der Bürgerkrieg, den viele nicht sehen wollten, scheint nun nahezu unausweichlich. Die EU kann sich nicht klar positionieren, ohne ihre Maske fallen zu lassen. Der demokratische Mantel, den sich der Kapitalismus in den meisten Ländern Europas nach dem zweiten Weltkrieg umhing, droht für immer herunter zu fallen.

Wir sehen es als unsere Pflicht an uns mit den Anarchisten in Katalonien zu solidarisieren und mit allen Menschen weltweit, die unter dem Kapitalismus zu leiden haben. Wenn aber Menschen eine Region autonom gestalten möchten und dort Basisdemokratie und wirkliche Gerechtigkeit umsetzen wollen, wenn eine Region mehr Flüchtlinge aufnehmen will, als der Zentralstaat ihr geben will, dann begrüßen wir das und werden alles dafür tun, dass dieses Vorhaben gelingt.

Dies bedeutet nicht, dass wir uns mit Menschen solidarisieren, die die Unabhängigkeitsbewegung nur deshalb mittragen, weil sie sich einen persönlichen Vorteil davon erhoffen.

Viva la república!
Viva la anarquía!

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