Heute möchten wir euch auf eine Filmvorführung in Dortmund am 25. September um 19 Uhr aufmerksam machen, auf die Anarchisten vom Twitter-Account @anetzdo hinwiesen. Im sweetSixteen Kino wird eine Dokumentation über die beiden Anarchisten Ferdinando „Nicola“ Sacco und Bartolomeo Vanzetti gezeigt, zwei italienische Einwanderer in den USA, die sich der anarchistischen Bewegung anschlossen und in einem seltsamen, umstrittenen Indizienprozess zum Tode verurteilt wurden.

In der zweiteiligen Dokumentation von arte, über die wir gestern publizierten, wird bereits viel über die beiden Anarchisten in den USA berichtet. Dennoch möchten wir hier noch einmal etwas detaillierter auf das Leben und Sterben der beiden Italiener eingehen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs waren die Lebensumstände in den USA für die meisten Menschen miserabel. Der Nährboden für Protest gegen die Mächtigen, die im Überfluss lebten, war günstig für den Anarchismus und so kam es, dass er schnell an Popularität gewann. Durch die Russische Revolution sah die Regierung der USA die „linke Bedrohung“ nun von allen Seiten kommen und konterte mit einem gigantischen Repressionsaufgebot, vor allem gegen Anarchisten. Diese wiederum wehrten sich mit immer radikaleren Mitteln, bis hin zu Bombenattentaten und Morden von Großkapitalisten und Politikern, sowie Adeligen und sonstigen einflussreichen Personen. Es wurden anarchistische Banden gegründet, die vielfach auch auf Raubzug gingen, natürlich wurden auch hier nur die Reichen besucht, um die Beute anschließend entweder unter den Armen aufzuteilen oder in die Revolution zu investieren.

Im Zuge einer der Razzien gegen die anarchistischen Banden wurden Sacco und Vanzetti am 5. Mai 1920 verhaftet. Offiziell beschuldigte man sie der Raubmorde, während der ersten Verhöre wurden sie aber nur indirekt dazu befragt. Vornehmlich ging es um ihre politische Gesinnung. Da die beiden von einer Massenrazzia mit vielen Verhafteten ausgingen, logen sie anfangs und behaupteten keine Anarchisten zu sein.

Bis 1927 versuchte die anarchistische Bewegung mit insgesamt acht Revisionsanträgen, Protesten, Petitionen und anderen Mitteln das Todesurteil gegen Sacco und Vanzetti zu kippen. Doch alle Versuche scheiterten und die beiden Anarchisten wurden am 22. August 1927 durch den elektrischen Stuhl hingerichtet. Interessant hierbei ist vor allem die Zeit zwischen dem endgültigen Todesurteil am 9. April 1927 und der Vollstreckung im August 1927. Denn in dieser sehr kurzen Phase interessierte sich die gesamte Öffentlichkeit für den Fall. Durch die haarsträubenden Prozesse wurden nun auch Konservative auf Sacco und Vanzetti aufmerksam und forderten deren Begnadigung. Selbst die Kommunistische Partei instrumentalisierte den Fall nun für sich und sammelte rund eine halbe Million Dollar, von denen am Ende nur ca. 6000 dem Defense Committee von Sacco und Vanzetti übergeben worden sein sollen.

Die Hinrichtung der beiden löste weltweit wilde Demonstrationen, Proteste und Angriffe auf US-Konsulate und amerikanische Firmen aus. Allein in Berlin mobilisierten am Abend davor 40 linke Gruppen in 24 Stadtteilen.

Der Fall von Sacco und Vanzetti ist vielleicht deshalb so wichtig für die Geschichte des Anarchismus, weil er zum einen auf grausame Weise die Gesinnung des Staatsapparates und seine Methoden aufzeigt und zum anderen im Nachhinein zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Musiker inspiriert hat. Die Geschichte von Sacco und Vanzetti hält den Anarchismus ein Stück weit am Leben, trägt seine Ideale in die nächste und übernächste Generation.

Der Eintritt in Dortmund beträgt 7 Euro. Des weiteren möchten wir außerdem darauf hinweisen, dass der Film ebenfalls in Berlin im hofkino.berlin gezeigt wird, bereits am 20. August 2017.

Wenn ihr Lust habt über Sacco und Vanzetti zu sprechen, kommt am 21.8. um 19 Uhr zum nächsten Anarchistischen Stammtisch im Langen Handok in Wuppertal, kommentiert hier auf dem Blog, bei Facebook, bei Twitterbei Google+ oder schreibt uns eine E-Mail an a.stammtisch.wtal@gmail.com.

Wir sehen, lesen, hören uns.

Anarchistischer Stammtisch Wuppertal

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