Heute möchten wir euch die zweiteilige Dokumentation „Kein Gott, Kein Herr“ von arte ans Herz legen. Sie erzählt die Geschichte des Anarchismus von seinem Entstehen bis hin zur Revolution in Spanien, die 1936 ein blutiges Ende durch die Faschisten von Franco fand.

Zwecks Übersicht verlinken wir die zwei Teile dieses Mal sehr deutlich separat.

„Kein Gott, Kein Herr!“ Teil 1

„Kein Gott, Kein Herr!“ Teil 2

Des weiteren geben wir hier einen kleinen Überblick was in der Dokumentation in Teil 1 behandelt wird. In den ersten Minuten fällt bereits ein Satz, der uns im Gedächtnis bleiben sollte:

„Die Anarchisten-Bewegung war treibende Kraft der ersten Revolutionen auf allen fünf Kontinenten und ein wichtiger Motor des sozialen Fortschritts.“

Ihre Entstehung geht auf das frühe 19. Jahrhundert zurück. Im Zuge der Industrialisierung fand der Kapitalismus zu seiner ersten großen Blütezeit. Damit einher gingen Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiter. Die neuen Herren waren nicht besser als die alten und so entstand als Antwort auf die soziale Frage der Anarchismus, der den Arbeitern helfen sollte, sich selbst zu helfen. Pierre-Joseph Proudhon bezeichnete sich selbst als erstes als Anarchisten, deutete damit das Wort Anarchie zum ersten Mal um, als etwas positives und wurde somit zu einem der Urväter des Anarchismus.

Des weiteren wird über Bakunin, James Guillaume, Errico Malatesta und Kropotkin berichtet, einige große Köpfe des Anarchismus. Bei der Formung der ersten Internationalen sind Anarchisten in der überwältigenden Überzahl gegenüber den Kommunisten. Beim Aufstand der Pariser Kommune 1871 sind Anarchisten dabei, als 73 Tage lang die Stadt autonom gestaltet wird.

Hier werden Anarchisten zum ersten Mal als Sündenböcke präsentiert, was der Bewegung einen heftigen Schlag versetzt. Die Marxisten schließen die Anarchisten aus der Internationalen aus. Bakunin gelingt die Flucht und mit einem Dutzend anderer Anarchisten aus aller Welt schließt er einen Pakt und gründet die erste Anarchistische Organisation, die Antiautoritäre Internationale. Sie gehen zurück in ihre Länder und verbreiten die Theorien des Anarchismus. Die Bewegung breitet sich rasant aus und findet überall zahlreiche Anhänger. In den USA ist es vor allem Chicago. Dort leben viele Migranten und Arbeiter, aber auch Arbeitslose, Prostituierte und Kleinkriminelle. Aufgrund der sehr harten, unmenschlichen Arbeitsbedingungen und den katastrophalen Lebensumständen fällt der Anarchismus auf fruchtbaren Boden. Dort findet dann auch der „Haymarket Riot“ statt, ein Schlüsselerlebnis für die Anarchisten weltweit. Der erste Mai wird zum Kampftag der Arbeiter und Anarchisten. Und Anarchisten greifen zum ersten Mal zu Bomben und anderen Waffen, um die Herrschenden auch direkt anzugreifen. Es folgt eine gigantische Repressionswelle, die die anarchistischen Attentate aber nicht wirklich eindämmen kann. So geht es weiter bis zum ersten Weltkrieg. Rund um den Jahrhundertwechsel wird auch der Syndikalismus populärer. Gerade in Frankreich gibt es Arbeitsbörsen, an denen sich die Arbeiter selbst organisieren und versammeln können. Die CGT wird bald zu einer großen Gewerkschaft, die anarchistische Ideen weiter verbreitet und die Massen an Arbeitern organisieren kann. Der 1. Mai 1906 wird zum Datum, an dem die französischen Arbeiter aufbegehren und den Acht-Stunden-Tag umsetzen wollen, mit allen Mitteln, inklusive Generalstreik und Sabotage, zwei Werkzeuge der Anarchisten. Auch wenn die Forderung nach dem Acht-Stunden-Tag nicht umgesetzt werden konnte, wurde wegen des starken Drucks der Straße immerhin ein Ruhetag für die Arbeiter erkämpft. Der Syndikalismus breitet sich rasant aus und es gründen sich überall Ableger anarchistischer Gewerkschaften, so z.B. die CNT in Spanien mit zwei Millionen Arbeitern, die F.O.R.A. in Argentinien und die IWW in den USA.

Es wird auch nicht vergessen, darauf hinzuweisen, wie wichtig Frauen in der Anarchistischen Bewegung waren. In Zeiten, in denen sie weder Wahlrecht hatten, noch ein Konto ohne ihren Mann eröffnen durften, waren sie eine große Zielgruppe der Anarchisten, bei denen diese schon bald großen Anklang fanden. Emma Goldman galt als gefährlichste Frau der USA. So groß war der Einfluss der berühmten Anarchistin auf die Gesellschaft und so sehr fürchtete die Bourgeoisie die anarchistische Bewegung. Die Repression gegen Anarchisten wird im ersten wie zweiten Teil der Dokumentation sehr ausführlich behandelt.

Einige Anarchisten schwenken deshalb um und verfolgen eine neue Strategie, die sich später als Flügel des Anarchismus, als Individualismus herauskristallisieren wird. Sie wollen, anders als die Kämpfer, den Anarchismus im Hier und Jetzt umsetzen und schließen sich zu Kommunen zusammen. Sie zelebrieren die freie Liebe und die freie Erziehung ihrer Kinder. Selbst Kleidung wird überworfen, viele Individualisten ziehen es vor nackt zu leben. Frauen entledigen sich enger Korsetts und Hüte. In der Stadt gründen sie libertäre Gymnasien, auf dem Land Agrargenossenschaften. Der erste Kibbuz, in Palästina wird von Anarchisten gegründet. Gleichzeitig propagieren sie permanent die Lehren des Anarchismus und versuchen sie in allen Lebensbereichen bestmöglich umzusetzen. Bildung wird zum Schlüssel für viele Anarchisten und sie setzen auf die Schulen, in denen bereits die Kinder zu freidenkenden Menschen erzogen werden sollen. Francisco Ferrer aus Spanien gilt als einer der größten anarchistischen Pädagogen. Der Unterricht war sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene und es gab dabei keine Hierarchien. Diese Art des Lehrens und Lernens verbreitete sich rasant über den Erdball. Als der Staat Ferrer hinrichten läßt, gibt es Proteste weltweit. Daraufhin formieren sich unter den Anarchisten gewaltbereite Gruppen, die Anschläge auf das Kapital verüben, Banken ausrauben, um das Geld in Proteste und die Revolution zu stecken oder es unter den Armen aufzuteilen. Buenaventura Durruti ist einer der bekannten Köpfe einer solchen anarchistischen Bande. Später wird er im spanischen Bürgerkrieg gegen Francos Faschisten kämpfen. Die Anarchisten wissen, dass sie, langfristig gesehen, keine Chance haben, wollen aber, dass der Kampf gegen sie so teuer wie möglich wird. Der erste Weltkrieg lähmt die anarchistische Bewegung und damit endet auch der erste Teil der Dokumentation. In den folgenden Tagen werden wir eine Zusammenfassung des zweiten Teils veröffentlichen, was euch aber natürlich nicht davon abhalten sollte, die Dokumentation selbst anzuschauen.

Viel Vergnügen dabei…

Anarchistischer Stammtisch Wuppertal

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2 Gedanken zu “Dokumentation „Kein Gott, Kein Herr!“ über #Anarchismus – Teil 1

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