Heute möchten wir euch eine Dokumentation auf YouTube empfehlen, die den Anarchismus in Spanien im letzten Jahrhundert erklärt. Mit zahlreichen Aussagen von Zeitzeugen wird ein detailliertes Bild gezeichnet, in dem mehr als einmal deutlich wird, dass Anarchie das Gegenteil von Chaos und Gewalt ist. Die Dokumentation kommt mit wenig Fachbegriffen aus, so dass sie auch für Einsteiger sehr zu empfehlen ist.

Um zu begreifen, warum der Anarchismus im damaligen Spanien so erfolgreich sein konnte, ist es wichtig zu beachten, dass zu Beginn des Jahrhunderts der größte Teil der Bevölkerung in bitterster Armut lebte, während einige Großgrundbesitzer, Adelige und hohe Tiere der katholischen Kirche das Land mehr oder weniger brach liegen ließen. Dies führte dazu, dass die Arbeiter und Bauern sich aus Not selbst organisierten und oft anarchistische Praxen umsetzen, diese aber nicht als solche betitelten, weil sie vom Anarchismus schlichtweg noch nie gehört hatten. In den 1930er Jahren wurden anarchistische und anarchosyndikalistische Gruppen und Gewerkschaften derart populär, dass es in einigen Teilen von Spanien, wie etwa in Katalonien gelang, zumindest temporär eine Ökonomie ohne Geld zu errichten. Die Faschisten von Franco machten diesem bisher größten anarchistischen Experiment weltweit ein blutiges Ende. Wenn man die Zeitzeugen von damals hört, dann liegt einer der großen Schlüssel zum Erfolg des Anarchismus in der Bildung. Viele betonen, dass sie damals schier süchtig waren, sich weiter zu bilden, zu lesen und zu diskutieren. In den ersten sozialen Zentren gab es viel Theater, Kultur, Lesungen, Bücher und wenig bis keinen Alkohol oder Glücksspiel. Wer sich als Anarchist betrachtete, war bestrebt ein möglichst gutes, ehrenwertes Leben zu führen, um als Vorbild für den Anarchismus zu fungieren und so andere davon zu überzeugen, auch Anarchist zu werden. Die Kollektivierung der Betriebe führte dazu, dass innerhalb von kürzester Zeit die Wirtschaft erblühte und der Lebensstandard von allen Menschen entscheidend verbessert wurde. Die sexuelle Revolution war ebenfalls Bestandteil der Anarchisten. Da Spanien bis heute stark von der katholischen Kirche geprägt ist, war es für die damaligen Verhältnisse mehr als revolutionär, dass Paare zusammenlebten, ohne verheiratet zu sein. Dieses neue Gefühl der Freiheit war bei vielen Jugendlichen und jungen Menschen einer der Gründe, warum sie sich dem Anarchismus anschlossen.

Mehr Hintergrundwissen zum Anarchismus in Spanien bietet der Wikipedia-Artikel, mit etlichen Unterkategorien. Viel Spaß beim Stöbern.

Übrigens, für alle, die so gar kein Spanisch können:

„Vivir La Utopia“ heißt „Lebe Die Utopie“!

 

Anarchistischer Stammtisch Wuppertal

PS: Wer darüber reden will, was er in der Doku gesehen hat, kann gerne zum ersten „Anarchistischen Stammtisch Wuppertal“ kommen. Montag, den 7.8.2017 um 19 Uhr im „Langen Handok“ in der Marienstraße 49 in Wuppertal. Wem das nicht möglich ist, der darf gern hier kommentieren oder uns eine E-Mail an a.stammtisch.wtal@gmail.com schicken.

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